Biel-Bienne, 21.10.2009 – Veränderungen in der Medienbranche standen im Zentrum des zweiten Tages der 8. Comdays in Biel. Manche Branchenkenner bezeichneten diesen Wandel als Krise, andere sehen positive Entwicklungen dank neuen Modellen.
Die Comdays-Organisatoren zeigten sich über die rund 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der zweitägigen Veranstaltung zufrieden.
Leidet die Qualität?
"Ich kann Ihnen wenig Katastrophales über die Gefährdung der Qualität unseres Journalismus berichten", ermutigte Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbandes Schweizer Presse, die Comdays-Teilnehmenden. Wenn wir von Krise sprechen, handle es sich um wenige Titel und wenige Leute. Lokale und regionale Medien erlebten einen Aufschwung durch ihre lokale Berichterstattung und ihre professionelle Arbeit. Dies sei der Grund, weshalb die Schweiz medial hervorragend ausgerüstet sei, und sich die Medien qualitativ verbessert hätten. Online-Journalismus sei hingegen ein "klassischer Abbau an Qualität", weil der Zeitdruck eine genauere Recherche nicht zulasse.
In den USA sei Online-Journalismus der Grund, weshalb der amerikanische Qualitätsjournalismus akut gefährdet sei. "Zeitungen befinden sich in der Todesspirale", bedauerte Stephan Russ-Mohl von der Universität Lugano. Bereits seien traditionsreiche Titel verschwunden. Damit die journalistische Qualität nicht weiterhin leide, sollen die Leserinnen und Leser bezahlen. Möglich dafür seien Flatrates und Online-Abonnements.
Für qualitativ hoch stehenden Journalismus müssten auch die Arbeitsbedingungen stimmen. Aus- und Weiterbildung seien unerlässlich, so Philipp Cueni von der Schweizer Mediengewerkschaft SSM. Zudem dürfe der bisherige Stellenabbau nicht vernachlässigt werden. Er sei verhältnismässig hoch und führe zum Verlust von spezialisiertem Wissen.
Nicht Inserate sondern Informationen verkaufen
An einem Panel waren Medienvertreter einig, dass man umdenken müsse: Die Leser seien die Kunden – nicht die Inserenten. Man müsse zukünftig die Leserinnen und Leser ernst nehmen und Informationen, nicht Werbeflächen verkaufen, sagte Markus Somm von der Weltwoche. Publizist Roger de Weck forderte auch mehr Leserbindung: Eine gute Zeitung sei wie ein Dialog; der Leser möchte einen guten Gesprächspartner. Dies sei das Erfolgsmodell des Bieler Tagblatts, erläuterte Chefredaktorin Catherine Duttweiler. Ihre Zeitung zeichne sich durch lokale Berichterstattung aus, berichte über Ereignisse, die die Leser bewegen und einen Dialog ermöglichen. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmenden, dass Qualität weiterhin gefragt sei und Printmedien nicht aussterben würden. Derzeit würden aber alle Medien über dasselbe berichten, bedauerte Dominique von Burg, Präsident des Schweizer Presserat. Es sei deshalb an der Zeit umzudenken.
Mediale Zukunft?
Erweiterung der Realität sei die mediale Zukunft, prophezeite Nils Müller von TrendONE zum Schluss der Comdays. Mit multifunktionalen mobilen Geräten könne bald von einer Welt in die andere springen. So könne man zum Beispiel bereits 2010 virtuell einkaufen gehen und online Kleider anprobieren. Wir werden immer online sein: "Always on, always connected" laute die Devise.
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